„Zur Krippe her kommet!“

In Annaberg wurde die lebensgroße Zirbenkrippe eingeweiht

Schon beim Hinaufgehen auf den Kirchbichl erspähen wir das Dach der Herberge. Aus alten Brettern wurde von großartigen Helfern des Tourismusverbandes und der Gemeinde dieser Unterschlupf für die Heilige Familie gebaut. Viele Einheimische und Besucher spazieren momentan hier herauf. Alle wollen die duftenden, aus Zirbenholz geschnitzten Figuren einmal aus der Nähe betrachten, die hier neben der Pfarrkirche einen würdigen Platz gefunden haben.

Die lebensgroße Zirbenkrippe in Annaberg (c)Schober

Aus demselben Holz geschnitzt

Aus einem einzigen Baum hat Extremschnitzer Ernst Adelsberger Josef, Maria und das Jesuskind herausgeschnitten. „Zirbenholz ist etwas ganz Spezielles“, erklärt er mit Enthusiasmus, „Zirbe ist beinahe unverwüstlich und richtig urige Bäume, aus denen man wunderbare Figuren schnitzen kann, wachsen erst ab rund 1.700 Metern Höhe, man muss ihnen schon nachgehen.“ Das haben er und Walter Dullnig auch gemacht. Stundenlang war der Schnitzer mit dem Waldbesitzer unterwegs – dann war die richtige Zirbe plötzlich da. Gut 200 Jahre alt ist sie bereits, schätzt Ernst Adelsberger: „Aus dem Stamm ist die kniende Maria entstanden“, erklärt der Künstler, der in unglaublicher Präzision seine Motorsäge auch beim richtigen Faltenwurf des Kleides oder im Fell der Schafe zu führen weiß. Lediglich die Gesichter und Hände werden mit feinerem Werkzeug nachgearbeitet. „Wenn ich das Holz sehe, habe ich schon eine genaue Vorstellung von der Figur, die dort drinnen quasi auf mich wartet“, meint Adelsberger leidenschaftlich. „Da kann ich gar nicht anders, als gleich die Motorsäge zu starten und mit dem Schnitzen zu beginnen. In dieser Phase spüre ich die schwere Maschine überhaupt nicht, ich lasse meiner Intuition freien Lauf. Der Josef hat schon im Tal herunten Gestalt angenommen, als wir den Baum von der Alm geholt haben. Aus dem Rückenteil von Maria konnte ich noch das kleine Jesuskind herausschnitzen. Sie hatte es also nicht im Bauch, sondern sie hat es huckepack getragen.“

Ein weihnachtlicher Besucher

So arbeitet sich der Künstler durch das duftende Holz. Manchmal muss er einfach daran schnitzen, dann geht er tagelang an der Figur vorüber ohne weiterzumachen: „Ich muss es fühlen, wenn es mich überkommt, arbeite ich weiter.“ Einen genauen, aufgezeichneten Plan hat Adelsberger dabei nie, tief in ihm drin aber hat er bereits die genaue Vorstellung: „Manchmal muss ich dann improvisieren. Im Stamm, aus dem Maria entstanden ist, hat vor langer Zeit der Blitz eingeschlagen. Man sieht das aber erst im Inneren, weil das Holz drumherum weitergewachsen ist. Deshalb musste ich die eine Hand anders an den Körper legen. Aber es ist sich gut ausgegangen.“ Während er an Maria schon die ersten Schnitte noch auf der Alm durchgeführt hat, bekam der Künstler besonderen Besuch. Ein Esel zeigte überhaupt keine Scheu von der lauten Maschine und schaute ihm bei seiner Arbeit zu, ja, er war beinahe nicht mehr wegzubekommen, so interessiert war er am Tun. War es die Gottesmutter, zu der Esel ja bekanntlich eine ganz besondere Verbindung haben? Man weiß es nicht, ob hier schon ein bisschen Weihnachten hereingespielt hat …

Neugieriger Besuch auf der Alm (c)Leopoldine Adelsberger

Viele helfende Hände

Am ersten Samstag im Advent war es nun soweit, die Krippe wurde aufgestellt und von Pfarrer P. Virgil würdevoll eingeweiht. Tourismusverband und Gemeinde in Annaberg haben die lebensgroße Krippe ermöglicht, viele freiwillige Helfer haben mitgeholfen, um den Figuren eine Herberge zu schaffen. Diesen wurde bei der Feier, zu der trotz Regens viele Besucher kamen, herzlich gedankt. Der Männerchor Annaberg und Bläser der Trachtenmusikkapelle Annaberg umrahmten die Feier musikalisch. Nach der Einweihung kehrten die Besucher beim kleinen, sehr feinen Adventmarkt in der Postgarage im Ortszentrum ein. Dort gibt es jeden Freitag Nachmittag hochwertige und regionale Produkte heimischer Künstler zu bestaunen und zu erwerben. Diesmal konnten dort auch Kekserl und Glühwein genossen werden.

Warten auf das Christkind

Wollt auch Ihr der Zirbenkrippe einmal einen Besuch abstatten? Wir empfehlen Euch für den Besuch der Krippe einen gemütlichen Rundgang vom Ort gleich neben dem Martini Sportswear Shop hinauf zur Krippe, von dort wieder ins Zentrum hinunter zur Postgarage mit heimischen Produkten (immer freitags Nachmittag geöffnet) und weiter zum Eulenbrunnen, den der international renommierte Künstler Prof. Gottfried Kumpf seinem Geburtsort geschenkt hat. Kostenlose Parkmöglichkeiten sind direkt an der Kopfbergbahn vorhanden. Lasst Euch mit der vorweihnachtlichen Wanderung in eine gute Stimmung versetzen und genießt Eure ganz persönliche Auszeit aus Alltag und Hektik.

Übrigens: Das Jesuskind durfte bei der Feier schon einmal „Probe liegen“, aber erst ab 24. Dezember wird es dann wieder in der Krippe zu sehen sein.

Hier seht Ihr einen schönen Bericht über die Einweihung.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten für die schöne Krippe (c)Schober

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