Es klappert die Mühle …

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Mühlenwanderung im Annaberger Rauenbachtal

Das Klappern des Mühlrades hören die Besucher schon von Weitem. Früher wäre das nichts Besonderes gewesen, doch heute hört man eine intakte Mühle nur mehr selten. In Annaberg steht noch ein voll funktionsfähiges Exemplar, das manchmal noch im Rahmen eines kleinen Festes in Betrieb genommen wird.

Die Hagenmühle stammt aus dem 17. Jahrhundert und war eine von mehreren Mühlen, die hier am Rauenbach standen: „Die Bauern in diesem Tal mussten sich für ihre eigene Mühle das Wasserrecht besorgen“, erklärt Bernhard Ponemayr. Er war lange Zeit Kustos des Heimatmuseums Gererhof und ihm ist es auch zu verdanken, dass dieses Mühlenjuwel, das mit gutem Schuhwerk und in einer guten halben Stunde vom Museum erreichbar steht, vor dem kompletten Verfall gerettet wurde, denn: „Nachdem kein Getreide mehr angebaut wurde, kümmerten sich die Bauern nicht mehr um das Wasserrecht. Schließlich verfiel es und die Mühlen gleich mit.“

Heute schleppt Bernhard kein Getreidesackerl, sondern Getränke, denn allmählich treffen immer mehr Besucher bei der idyllisch gelegenen Mühle ein, die sich über eine Erfrischung sehr freuen. Auch die Krapfen von einer Bäuerin aus der Umgebung lassen sich die Wanderer gut schmecken!

Gestärkt begeben wir uns jetzt mit dem Kustos auf Zeitreise: Das umgeleitete Wasser wird vom Rauenbach sozusagen „entliehen“, fließt hin zum Mühlrad und bringt es in Bewegung. „In unserer Gegend wurde das Wasser normalerweise über das Rad zugeleitet wurde („Oberschlächtiges Wasserrad“)“, weiß Bernhard, „Die Hagenmühle allerdings wird von einem „unterschlächtigen Wasserrad“ angetrieben, weil durch das niedrige Gefälle des Baches das Wasser nur mit großem Aufwand darüber geleitet werden könnte.“ Nach der Mühle plappert das Wasser munter wieder seines Wegs. Von außen sieht man, wie das Mühlrad erst schwerfällig Drehung aufnimmt, dann hat es seinen Rhythmus gefunden.

Jetzt will ich aber wissen, warum es eigentlich dieses Rad braucht. Durch eine kleine Tür – Vorsicht mit dem Kopf – geht es ins Innere der Mühle. Die Bewegung des Wasserrades bringt den Antrieb über den „Wellbaum“ in das Mühlengebäude zum sogenannten „Kemprad“ (Kammrad). Danach wird durch das „Spulrad“ der Mühlstein in Bewegung gesetzt.  Unten ist der unbewegliche „Legerer“ (von liegen) und den oberen bezeichnet man als „Läufer“.

Bernhard zeigt auf ein Art Holztrichter oberhalb des Mühlsteins: „Hier wurde meist Roggen, der auch bei uns in höheren Lagen gedeiht, eingefüllt. Durch eine einfache, aber ausgeklügelte Mechanik, wurde das Getreide schneller oder langsamer hin- und hergerüttelt, damit es sich nicht staut und die Mühle verstopft.“ Beinahe alle Teile der Mühle sind aus Holz hergestellt, was das typische „Klappern“ verursacht.

Unbeirrt und stoisch mahlen die Mühlsteine die Körner, die dann weiter in einen Schlauch, dem so genannten Mühlbeutel, hergestellt meist aus Seide, geschüttelt wurden: „Das feine Mehl landete hier im Behälter, die Kleie wird im Mühlbeutel weitertransportiert und fällt in einen eigenen Korb.“ Die in der Kleie enthaltenen Ballaststoffe dienen als „Muntermacher in einem trägen Darm“ und gelten als ebenso wertvoll wie das Mehl selbst.

An der Wand zeigt uns Bernhard noch eine weitere Vorrichtung – eine Art historischen Zeitschalter: „Damit der Müller nicht die ganze Zeit warten muss, bis die Säcke vollständig gemahlen wurden, konnte er mittels dieser Stange regeln, dass das Mühlrad getrennt wurde und aufhörte sich zu drehen, wenn das Korn aufgebraucht war.“ Überhaupt zeigt es sich nach dem Rundgang, dass wir alle überrascht über den Erfindungsreichtum und die Gewitztheit unserer Altvorderen sind. Mit einfachsten Mitteln, aber ausgeklügelt und mit Verstand versuchten sie, das beste Ergebnis aus ihrer Arbeit herauszuholen und die Mühen dabei so erträglich wie möglich zu machen. Respekt!

Vom Trichter zwischen die Mühlsteine und weiter in den Sack - der Weg des Korns

Vom Trichter zwischen die Mühlsteine und weiter in den Sack – der Weg des Korns

 

War es der Takt der Mühle oder war es das Eintauchen in die Vergangenheit, aber beim Hinausgehen fällt mir noch ein kleiner Spruch ein, den wir manchmal als Kinder vor uns hinsangen:

„Müller Müller Sackerl, schwer ist dieses Packerl.
Ist der Müller nicht zu Haus: Schloß vor, Riegel vor,
schmeiß ma’s Sackerl hinters Tor.“

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